Studie der Finanztip Stiftung

Finanzwissen in Deutschland

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Jeder Zweite weiß nicht, wann Dispozinsen beim Girokonto anfallen.
  • Jüngere, Geringverdiener und Frauen haben größere Wissenslücken.
  • Unter 30-Jährige haben eine hohe Affinität zu Aktien, sind dabei aber zu unbedarft.

Große Defizite bei praktischem Finanzwissen

Egal ob bei Krediten, Versicherungen oder bei der Geldanlage – wer Finanzprodukte verstehen will, benötigt dafür praktisches Finanzwissen. Das ist jedoch bei einem großen Teil der Bevölkerung nur mangelhaft ausgeprägt, wie die aktuelle repräsentative Studie der Finanztip Stiftung zeigt.

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Mangelhaftes Finanzwissen bei großem Teil der Bevölkerung

Bei der groß angelegten Untersuchung wurden mehr als 3.000 Menschen im Alter von 16-69 Jahren zu alltäglichen Finanzthemen wie etwa Versicherungen, Kredite oder Aktien befragt. Wer alle Fragen richtig beantwortet hat, konnte maximal 12,5 Punkte erreichen. Mehr als die Hälfte schaffte jedoch maximal 6 Punkte – in der Schule wäre das eine Vier minus oder schlechter.

Erfahrungswissen macht den Unterschied

Die Studie zeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen schlechter abschneiden als andere. Beispielsweise erreichen die unter 30-Jährigen im Durchschnitt signifikant weniger Punkte als die älteren Befragten. Auch beim Einkommen zeigt die Studie Unterschiede im Finanzwissen: Beispielsweise erreichen Haushalte, die im Monat mit bis zu 1.500 Euro auskommen, im Durchschnitt weniger Punkte als Haushalte, denen mehr als 3.800 Euro zur Verfügung stehen. Jüngere stehen meist am Anfang ihres Berufslebens und beginnen erst, größere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Und wer wenig Geld zur Verfügung hat, der hat sich oft noch nicht mit Sparprodukten für die Altersvorsorge beschäftigt.

Unter 30-Jährige setzen vor allem auf Aktien

Auffällig ist, dass die unter 30-Jährigen zwar grundsätzlich weniger über Finanzen wissen als die älteren Jahrgänge, sie aber beim Thema Aktien punkten. So wissen fast 54 Prozent der Jüngeren, dass ein weltweiter Aktienfonds grundsätzlich ein geringeres Risiko darstellt als die Investition in eine Einzelaktie oder in einen Fonds mit Unternehmen aus nur einem Land. Bei den über 30-Jährigen wissen das nur rund 46 Prozent.

„Die unter 30-Jährigen sind mit stetig sinkenden Zinsen und einem langanhaltenden Boom an den Aktienmärkten groß geworden. Hinzu kommen neue Apps wie Trade Republic, die den Zugang zu den Börsen nicht nur günstiger, sondern auch einfacher machen.“

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip

Allerdings sind die Jüngeren zu unbedarft im Umgang mit Aktien. So würden rund 38 Prozent auch dann in Aktien investieren, wenn sie wissen, dass sie ihr Geld nach zwei Jahren wieder benötigen. „Das kann gutgehen, birgt aber ein Verlustrisiko, wenn die Kurse genau dann in den Keller gehen“, so Tenhagen.

Frauen wissen weniger über Finanzen als Männer

Die Studie zeigt auch, dass Frauen im Vergleich zu Männern weniger über Finanzen wissen. So erreicht fast jede vierte Frau nur maximal drei Punkte. Bei den Männern sind das nur rund 20 Prozent. Auf der anderen Seite kommen mehr als die Hälfte der Männer auf mehr als 6 Punkte. Bei den Frauen schaffen das nur knapp 43 Prozent. „Auch hier spielt geringeres Erfahrungswissen eine Rolle, denn noch immer verdienen Frauen weniger Geld als Männer“, sagt Tenhagen.

Methodik der Studie:

  • Für die Studie „Finanzwissen in Deutschland“ wurden im April 2021 insgesamt 3.082 Menschen im Alter von 16-69 Jahren von der Innofact AG im Auftrag der Finanztip Stiftung befragt.
  • Die Studienteilnehmer bekamen 12 Fragen gestellt. Wer alle Fragen richtig beantwortet hat, konnte maximal 12,5 Punkte erreichen.

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Dorian Obst
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